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Sonntag, 27. April 2003
Tante Mariechen Sie hieß Marie, doch alle nannten sie Mariechen, geboren zu Beginn des Weltkrieges Nummer 1. Sie war begabt und musikalisch, wie ihre vielen Geschwister auch. Doch ihr Platz sollte der Bauernhof werden, Stipendien für die höhere Mächenschule oder gar eine Gesangsausbildung schlug der Vater aus. Selbst die Ehe mit einem Berufsunteroffzier hinderte sie nicht, auf den Hof zurückzukehren, eine Ehe, geschlossen kurz nach Anfang des Krieges, den man später den 2. Weltkrieg nennen sollte. Als der von den vier Schwestern innig geliebte, hochbegabte Bruder Fritzchen kurz nach Versetzung von der Ostfront an die Westfront kurz vor Ende des Krieges in der Silvesternacht 1945 fiel, wurde ihr Lebensweg endgültig mit dem Hof verbunden. Fortan führte die junge energische Frau den Hof, von vielen geachtet, von einigen gefürchtet. Sie liess den Ortsbauernführer wegtreten, der es nicht mochte, dass die polnischen Erntehelfer, die nun als Fremdarbeiter auf dem Hof arbeiteten, mit der Familie an einem Tisch aßen. Ihr geschah nichts, der Mann wäre in der Gegend erledigt gewesen. Ihr Mann kam mit einem halben Bein nachhaus, hatte ständig Schmerzen, quälte sich mit Traktor und Buchhaltung. Ihre drei Mädchen waren fleißig, und wieder hochbegabt und fleißig. Sie mussten hart arbeiten und tun es heute noch. Ihr Erfolg ist auch der Erfolg der Mutter. Mein Vater verbrachte bei seiner Tante die glücklichsten, prägenden Jahre, als er von dort aus zum Gymnasium fuhr. Das Leben auf dem Hof, die Arbeit auf den Feldern und insbesondere im Holz ließen ihn später jede „Ernteschlacht“ mitfiebern. Für die Großfamilie war Tante Mariechen und ihr Hof der selbstverständliche Lebensmittelpunkt, jeder wurde ohne Federlesens aufgenommen, verköstigt und einquartiert. All dies geschah, ohne die Arbeit zu unterbrechen, Kinder waren heilig, Hauptsache, sie aßen gut, und wenn nicht, dann wurde solange gekocht, bis es ihnen schmeckte. Sie hatte immer Tiere, konnte aber kein Huhn schlachten, überzähligen Katzennachwuchs jedoch ..., na lassen wir das, was getan werden musste, wurde getan. Ein Arbeitsunfall, der schwere Tod des Mannes, all dies überstand Mariechen, die Familie wurde noch wichtiger, die LPG stand nicht zuletzt wegen ihres „Eigentümerbewusstseins“ nie schlecht da, viele wurden von ihr als Lehrfrau gescheucht, und lernten Ausdauer, Konsequenz und ihr Handwerk fürs Leben. Ihre Kinder machten ihr Freude, die Enkel sowieso. Für das Erlernen dreier Lieder auf der Mundharmonika gabs das Musikinstrument, und sie lag richtig, der Enkel spielte ihr nach einem Tag das Liederbuch vor. Die vier Schwestern haderten immer mal miteinander, trotzdem waren all ihre Familien ein riesiger Clan, jeder Enkel auch der Enkel der anderen. Wenn ihre Tochter als Landärztin die eventuellen Erbkrankeiten in der Familie eines Patienten aus der Gegend wissen wollte, konnte es ihr die „german hairforce“ sagen (alle Schwestern waren hübsche blonde Mädchen gewesen, die einmarschierenden Amerikaner waren beeindruckt.). Sie ist letztendlich diejenige, die meine Liebste und mich zusammenbrachte, indem sie uns „nur befreundete“ bei einem Besuch ein gemeinsames Zimmer zuwies. Ein Fakt, der meine Oma, ihre Schwester, zum Schimpfen (wegen der Moral) brachte und die Verwandschaft heute noch erfreut. Mit Lebensqualität alt werden ist schwierig geworden. Von den Töchtern und Enkeln gepflegt, später in einem örtlichen Pflegeheim umsorgt, schließlich erblindet, wurde sie immer ruhiger, etwas, was keiner von ihr kannte. Sie freute sich sehr, als wir sie besuchten und ihr ein Ständchen brachten, die Musik war ihr geblieben. Tante Mariechen starb am Mittwoch vor Ostern. Sie wurde 88 Jahre, eine Großfamilie und der gesamte Ort erwies ihr gestern die letzte Ehre. |
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ich denk noch öfter an euch, wenn ich in der Gegend bin. sollten uns mal wieder treffen. by ute (21.02.2022, 12:15) Gute Besserung, Gutes 2020 und Happy Klassenkampf (ich verfolge das Thema nicht und außerdem war es bestimmt dunkel)!
Gute Besserung, Gutes 2020 und Happy Klassenkampf (ich verfolge das Thema nicht und außerdem war es bestimmt dunkel)! by klagefall (03.01.2020, 19:30) Man will ja ständig Gartenbaufirmen zu Herrn Seewolf schicken, wenn das in der Folge jedes mal einen Blogpost bedeutet.
Man will ja ständig Gartenbaufirmen zu Herrn Seewolf schicken, wenn das in der Folge jedes mal einen Blogpost bedeutet. by libralop (20.08.2018, 14:02) Fraglich, ob das vor 7 Uhr schon erlaubt ist.
Fraglich, ob das vor 7 Uhr schon erlaubt ist. by bubo (01.08.2018, 12:05) Der Herr Seewolf ist zumindest auf Twitter noch regelmäßig aktiv: twitter.com
Der Herr Seewolf ist zumindest auf Twitter noch regelmäßig aktiv: twitter.com by libralop (02.05.2018, 10:18) herr seewolf, leben sie noch? meine email ist dieselbe, ihre koennte evtl wg mailclienttausch verloren sein
herr seewolf, leben sie noch? meine email ist dieselbe, ihre koennte evtl wg mailclienttausch verloren sein by mutant (19.04.2018, 23:57) Heute am wannsee, gegenüber der pfaueninsel gelegen, tochter aus dem augenwinkel im blick gehabt, die sich einfach mit berliner mädels...
Heute am wannsee, gegenüber der pfaueninsel gelegen, tochter aus dem augenwinkel im blick gehabt, die sich einfach mit berliner mädels angefreundet hatte und um die wette schwamm. Gleichzeitig die Szene bei der Musterung gelesen, laut gelacht, paar nackt badende guckten irritiert. Ganz wunderbare Geschichte. Ich muss jerzt langsamer lesen, damit sie... by mariong (22.08.2015, 00:27) Obacht
da kann es ja passieren, dass Sie dem Autor über den Weg laufen! by seewolf (15.08.2015, 20:04) Seit heute liegt das buch bei mir auf dem tisch, und ich bin schon ganz verliebt in die aufmachung, das...
Seit heute liegt das buch bei mir auf dem tisch, und ich bin schon ganz verliebt in die aufmachung, das papier, und manchmal streiche ich über den umschlag und schlage wahllos eine seite auf und spicke. Ansonsten ist das wie warten auf das christkind: Das wird meine Urlaubslektüre schon bald... by mariong (11.08.2015, 23:05) Ich verstehe nicht,
ob das Wikipedia-Zitat meiner These widersprechen soll, dass Intelligenz AUCH vererbt wird. Ich zitiere mal aus der Brockhaus Enzyklopädie. Auf kulturelle und soziale Faktoren wurde auch zurückgeführt, dass in Intelligenztests Asiaten besser als Europäer und diese besser als Afrikaner abschneiden. W.A. Jensen und H.J. Eysenek fanden, dass in den USA diese... by phaeake (21.11.2013, 04:57)
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